Dr. Hein Zopes gestaltet Material für schulinterne Lehrerfortbildungen mit den Themenschwerpunkten “Pädagogische Herausforderungen” und “Digitale Souveränität”.

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Mobbing – effektiv stoppen: Der „No Blame Approach“-Ansatz

Eckdaten des Videos

StichworteMobbing
Mobbing-Intervention
Mobbing-System
No Blame Approach
Rollenverhalten
Rollenwechsel
Systemtransformation
InhaltIm Zentrum des Videos steht die Beschreibung des No Blame Approach Ansatzes. Die Schulddimension wird hier bewusst ausgeblendet. Das Mobbingsystem wird durch Rollenwechsel der Beteiligten transformiert, sodass die für Mobbing typische Gruppendynamik nicht mehr möglich ist.
ZielgruppeSchulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter
Dauer9:15

Transkript des Videos

Dieses Video stellt den No Blame Approach Ansatz vor, der einen Mobbingprozess an Schulen sehr schnell, sehr effektiv und nachhaltig beenden kann.

Bereits 2007 hat eine große Anwendungsstudie in Deutschland mit über 220 Mobbing Fällen ergeben, dass in ganz ganz vielen Fällen, in 87% der Fälle, um genau zu sein, das Mobbing durch den No Blame Approach Ansatz effektiv und nachhaltig gestoppt werden konnte. Das galt auch, wenn Mobbingstrukturen sich schon sehr stark verfestigt hatten. 96% der befragten Schulen und der Fachkräfte an diesen Schulen beurteilten den Ansatz sehr positiv mit einer sehr hohen Zufriedenheit.

Der Grundansatz beim Noblame Approach ist Mobbing durch einen lösungsorientierten ressourcenfokussierten Prozess nachhaltig zu beenden, ohne dass dabei Schuldzuweisung oder Bestrafungen ausgesprochen werden. Das heißt, dieser Ansatz verzichtet ganz bewusst auf die Suche nach Schuldigen oder Ursachen. Es werden keine Warum-Fragen an die Schülerinnen und Schüler gestellt.

Im Zentrum steht die Veränderung der beim Mobbing wirksamen gruppendynamischen Prozesse. Ein Mobbingsystem ist ja oft sehr komplex. Das Opfer ist mit mehreren Täterinnen und Tätern konfrontiert, die aus unterschiedlichsten Motiven handeln. Im Rahmen der Gruppendynamik entwickeln sich dann ganz eigene Prozesse. Es entstehen Mitläuferinnen und Mitläufer, die zeitweise mobben. Es wird Verstärkerin und Verstärker geben, die selber nicht mobben, aber die Täterinnen und Täter motivieren und bestärken bei ihrem Tun. Schließlich gibt es auch die Gruppe der Zuschauenden, diese mobben selber nicht. Sie bilden das Publikum und intervenieren nicht.

Ziel des No Blame Approach ist es nun, dieses System so zu transformieren, dass das Mobbing beendet und dass das Opfer wieder nachhaltig in die Klassengemeinschaft integriert wird. Es wird darauf hingewirkt, dass mehrere Personen dieser komplexen Struktur ihre Rolle ändern. So wechseln Täter, Mitläufer, Verstärker oder Zuschauer ihre Rollen. Aus Täterinnen und Tätern, aus Mittläuferinnen und Mitläufern, aus Verstärkerinn und Verstärkern, aus Zuschauenden werden Unterstützer und achten nun auf das Wohl des ehemaligen Opfers.

Bei der Durchführung des No Blame Approach Ansatzes werden drei Phasen durchlaufen. Am Anfang der Intervention steht ein Gespräch zwischen dem Opfer und einer qualifizierten Lehrperson oder einer Schulsozialarbeiterin oder eines Schulsozialarbeiters. Für den Erfolg der Intervention ist nun fundamental wichtig, dass die Person, die mit dem Opfer agiert, durch entsprechende Fortbildungsmaßnahmen einen umfassenden Einblick in die zielführenden Gesprächsstrategien des No Blame Approach Ansatzes gewonnen hat. In diesem vertrauensvollen und einfühlsamen durchgeführten Gespräch geht es zunächst einmal darum, die Situation Opfers zu erfassen.

Zweitens soll die Zuversicht vermittelt werden, dass das Mobbing durch die anstehende Intervention aufhören kann und wahrscheinlich auch aufhören wird. Auch ist es sehr wichtig, nun das Einverständnis des Opfers für die weitere Vorgehensweise einzuholen.

Schließlich ist es Ziel des Gesprächs noch potentielle Unterstützer zu identifizieren, die das Opfer in nächster Zeit unterstützen können. Die Diskussion von Mobbingursachen ist hingegen kein Gegenstand des Gesprächs.

In der zweiten Phase wird nun die Lehrperson oder die Sozialarbeiterin oder der Sozialarbeiter eine Unterstützungsgruppe einrichten und aktivieren. Diese besteht möglichst aus sechs bis acht Personen. Beteiligt werden einige Täterinnen und Täter, Mitläuferinnen und Mitläufer. Verstärkerin und Verstärker und auch Zuschauende. Das Opfer wird nicht Teil dieser Gruppe.

Die erste Zusammenkunft der Gruppe erfolgt zeitnah nach dem Gespräch mit dem Opfer, ohne dass das Opfer nun bei diesem Gruppengespräch anwesend wäre. Die Lehrkraft hat nun die Aufgabe, das Problem erklärend darzustellen, ohne Täterin oder Täter zu benennen oder ohne Schuldzuweisung auszusprechen. Es ist wichtig, die Gruppe dafür zu sensibilisieren, wie es dem Opfer geht.

Die Lehrkraft muss darauf achten, dass sie weiterhin den Prozess verantwortet. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, die Gruppe zu animieren, zu animieren, eigene Ideen zu entwickeln, Ideen zur Unterstützung des Opfers und aktiv zur Auflösung des Mobbing der Mobbing Situation beizutragen. Die Gruppe erhält nun Verantwortung. Verantwortung aktiv und diskret Maßnahmen umzusetzen, die dem Opfer helfen. Die Gruppenmitglieder werden nun ihre sozialen Ressourcen zur Beendigung des Mobbings nutzen und dabei soziale Verantwortung übernehmen.

In einer dritten Phase erfolgen nun Nachgespräche, um die Umsetzung des Ansatzes zu reflektieren, um gegebenfalls weitere notwendige Unterstützungsmaßnahmen zu organisieren und um den Erfolg der Maßnahme zu bewerten.

Ich glaube, die größte Herausforderung beim No Blame Approach Ansatz ist, dass die Schulddimension überhaupt nicht in den Blick genommen wird. Das ist besonders für die Eltern des Opfers schwer zu ertragen und schwer zu verstehen. Nun ist es sehr, sehr wichtig, die Eltern des Opfers mitzunehmen und zu erreichen, dass sie der Schule und ihrer Maßnahmen vertrauen, dass sie sich selbst zurückhalten und auf eigene Intervention verzichten, die unter Umständen den Noame Approach Ansatz stören könnten.

Der durch die umfassend fortgebildeten Lehrerinnen und Lehrer und Sozialarbeiterin und Sozialarbeiter konsequent umgesetzte No Blame Approach Ansatz ist eine sehr sehr gute Möglichkeit zum Stoppen des Mobbings und dies sollte auch im Sinne des Opfers Priorität haben.

Bildmaterial aus dem Video

Transformation eines Mobbing-Systems

Transformation eines Mobbing-Systems

Transformiertes Mobbing-System

Transformiertes Mobbing-System

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