Dr. Hein Zopes gestaltet Material für schulinterne Lehrerfortbildungen mit den Themenschwerpunkten “Pädagogische Herausforderungen” und “Digitale Souveränität”.

Dieses Material darf entsprechend der CC BY 4.0 Lizenz von jedem heruntergeladen, genutzt, vervielfältigt und verändert werden darf. Gerne können Lehrerinnen und Lehrer es für ihren Unterricht verwenden. Auch für SchiLF-Angebote ist es geeignet. Alle enthaltenen Informationen wurden gewissenhaft recherchiert. Die Materialien werden regelmäßig ergänzt.

StichworteDigitale Souveränität
Lernmanagementsystem
Lernplattform
Logineo NRW
Moodle
Nextcloud
Open Source
InhaltDer internationale Strafgerichtshof plant sich von Microsoft-Technologien aus der USA unabhängig zu machen. Hintergrund sind mögliche Repressalien durch US Präsident Donald Trump. Unter diesem Präsidenten scheint die USA bereit zu sein, digitale Technologie als Druckmittel in geopolitischer Dimension einzusetzen. Für Lehrende und Lernende an Schulen bietet Microsoft sein Office 365 Education an und dieses Angebot wird in Deutschland reichlich angenommen. Das ist bedenklich. Das Thema Digitale Souveränität wird hier leider nicht priorisiert und es stellt sich die Frage, warum wir unseren Kindern ein Softwareprodukt nahe bringen, das selbst die Unabhängigkeit eines internationalen Gerichtshofs gefährdet. Dabei gibt es eine Vielzahl von europäischen Alternativen. Einen Überblick über mögliche Lösungen gibt Dr. Hein Zopes in diesem Video.
ZielgruppeSchulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schulträger
Dauer10:01

Transkript des Videos

Der internationale Strafgerichtshof plant sich von Technologien aus den USA unabhängig zu machen. Hintergrund sind mögliche Repressionen durch US-Präsident Donald Trump. Unter diesem Präsidenten scheint die USA bereit zu sein, digitale Technologien als Druckmittel in geopolitischer Dimension einzusetzen. Die Abhängigkeit von amerikanischen Digitalkonzernen wird zu einem Problem. Eine digitale Souveränität ist selbst für einen internationalen Strafgerichtshof nicht mehr gegeben.

Das Programmpaket, das das Microsoft Produkt ablösen soll, ist Open Desk. Es wird aus Deutschland vom Zentrum für digitale Souveränität betreut und besteht aus mehreren Komponenten von acht europäischen Softwareherstellern.

Für Lehrende und Lernende an deutschen Schulen bietet Microsoft sein Office 365 Education an. Dieses Angebot wird in Deutschland reichlich angenommen. Das ist schon bedenklich. Das Thema digitale Souveränität wird hier leider nicht priorisiert. Es stellt sich die Frage, warum wir unseren Kindern ein Softwarepaket nahebringen, das selbst die Unabhängigkeit eines internationalen Gerichtshofs gefährdet.

Dabei gibt es eine Vielzahl von europäischen Alternativen. Die Zahl der Möglichkeiten für einen Microsoft Ersatz ist sehr groß. Grundsätzlich kann man diese Lösungen in vier Kategorien einteilen. So gibt es die Angebote der Bundesländer, es gibt proprietäre Angebote von europäischen Firmen, dann gibt es die Open-Source-Angebote mit Firmensupport und schließlich gibt es noch eigenständig gemanagte Open-Source-Lösungen. Für all diese Strategien sprechen sehr gute Gründe, aber alle haben natürlich auch ihre Herausforderungen.

Die Bundesländer verfolgen unterschiedliche Strategien bei der Digitalisierung. Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bieten ihren Schulen mit itslearning eine proprietäre, aus Norwegen stammende Lernplattform an. Andere Bundesländer wie Berlin, Baden-Württemberg oder Brandenburg schaffen sogar mehrere Angebote, wobei einerseits eine kommerzielle Lösung und andererseits eine Open-Source-Lösung für die Schule möglich ist. Die Open-Source-Lösungen beruhen dabei oft auf Moodle. Als kommerzielle Variante wird meistens itsearning angeboten. Alle anderen Bundesländer präferieren reine Open-Source-Lösungen, die wiederum oft auf Moodle basieren.

In allen Bundesländern haben die Landesangebote für die Schulen deutliche Vorteile. Das Land gewährleistet die IT-Sicherheit. Es gewährleistet den Datenschutz, es stellt die Serverinfrastruktur bereit und es bietet häufig auch eine gewisse Form von Support. Gegebenenfalls trägt es auch Lizenzkosten. Auf der anderen Seite können mit den Landesangeboten allerdings auch einige Herausforderungen verbunden sein. Dies wollen wir uns einmal am Beispiel von Nordrhein-Westfalen anschauen. Hier ist das Landesgangebot Logineo. Das ist eine Produktfamilie aus drei Komponenten. Es gibt Logineo NRW Schulplattform. Das ist eine Schulorganisationsplattform mit E-Mail, Kalender, Adressbuch und Datenmanagement. Daneben gibt es Logineo NRW LMS. Das ist ein auf Moodle basierendes Lernmanagement-System. Schließlich gibt es noch den Logineo NRW Messenger. Das ist eine Chat und Videokonferenzplattform, die auf jitsi meet basiert. Mit diesen drei Komponenten werden grundsätzlich alle Funktionen eines Lernmanagement-Systems abgebildet. Durch diese drei Komponentenstruktur ergeben sich allerdings auch einige Probleme mit der Bedienbarkeit. Dies kann man bereits in der Anmeldesituation deutlich spüren, da man sich für jede Komponente extra anmelden muss. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Bereich der Kollaboration. Da bei Logineo NRW keine Office Anwendung implementiert ist, mit der auf Cloud-Ebene gemeinsam gearbeitet werden kann. Weiterhin gibt es kritische Aspekte im Bereich der Portabilität und Kompatibilität, auch weil die Schnittstellendokumentation momentan unvollständig ist. Dies ist durchaus etwas überraschend, da die zugrunde liegende Moodle-Basis bereits über eine umfangreiche Dokumentation verfügt.

Eine Studie des Frauenhofer Instituts hat diese Problemfelder sehr klar benannt. Es gibt nun einen Optimierungsversuch, der mit T-Systems gestartet wurde. Dieser ist aber leider bisher nicht wirklich erfolgreich. T-Systems hat sich inzwischen sogar aus dem zugrunde liegenden Vertrag einseitig zurückgezogen und diesen gekündigt. Nun könnte es rechtliche Schritte von Landesseite wegen eines potenziellen Vertragsbruchs geben. Das könnte zu weiteren Verzögerung führen. Wir drücken natürlich Nordrhein-Westfalen alle Daumen, dass die sich im Moment noch ergebenden Herausforderungen bald sinnvoll gelöst werden können.

Im Kern stellt sich natürlich die Frage, ob eine Dreikomponentenlösung ein zielführender Ansatz ist. Dies gilt insbesondere da die Moodle-Plattform von ihrer Funktionalität her eigentlich alles abbilden könnte.

Für deutsche Schulen gibt es natürlich auch einige kommerzielle proprietäre Lernplattformen. Sehr verbreitet ist wie schon gesagt itsearning. Diese Plattform ist wirklich sehr breit aufgestellt und lässt keine Bedürfnisse offen. itslearning bietet also eine schnell umsetzbare Microsoft Alternative, die die technischen Kompetenzen des Anbieters nutzt, allerdings auch Lizenzkosten und wieder neue Abhängigkeiten beinhaltet.

Alternativ könnte man sich natürlich auch vorstellen, eine kommerzielle Open-Source-Lernplattform zu nutzen. Hierzu gibt es auch Firmen, die dies anbieten und die ein breites Portfolio an Funktionen damit bereitstellen. Viele Anbieter nutzen Moodle als Open-Source-Basis. Damit stellt sich natürlich die Frage, ob eine kostenpflichtige kommerzielle Lösung wirklich für eine allgemeinbildende Schule sinnvoll ist, da ja die Bundesländer selber ähnliche Lösungen ohne Lizenzgebühren zur Verfügung stellen. Für die kommerzielle Option könnte vor allen Dingen die gute Supportqualität sprechen.

Wirklich spannend ist die Einrichtung selbstverwalteter Open-Source-Lösungen. Eine Option wäre es Moodle zu nutzen. Das kann auf eigenen Servern oder bei einem Hosting-Provider erfolgen. Das Selbsteinrichten ist gut dokumentiert und es gibt in Deutschland im Moment über 8000 Bildungseinrichtungen, die Learnmanagement-Systeme von Moodle nutzen. Das ist natürlich ein deutlicher Beleg für die Tauglichkeit und Nutzbarkeit des Systems. Der Funktionsanfang von Moodle ist auch ebenfalls voll und ganz überzeugend.

Eine weitere wirklich spannende Option ist die Nutzung von Nextcloud als Lernplattform. Auch hier kann die Nutzung auf eigenen Servern oder auf gehosteten Servern erfolgen. Ein Nextcoud-Einsatz hat auch den Vorteil, dass man hier sehr einfach einzurichtende Insellösungen möglich machen kann. So kann man in ganz ganz wenigen Schritten mit sehr sehr überschaubaren Ressourcen eine Nextcloud an einer Schule zumindest in einem Unterrichtsraum für Erprobungszwecke zur Verfügung stellen. Hierdurch können einige Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte einer Schule diese Open-Source-Lösung kennenlernen. Sie erfahren dabei, dass es keine Einschränkung in Hinsicht auf Nutzbarkeit oder Alltagstauglichkeit im Vergleich zu den proprietären Microsoft Angeboten gibt. Diese Schülerinnen und Schüler und die beteiligten Lehrkräfte können dann als Multiplikatoren ihre Erfahrung in die Schulgemeinschaft tragen. Mit der Vielzahl dieser Möglichkeiten könnten sich unsere Schulen gut auf den Weg zur digitalen Souveränität machen. Zumindest eine klitzekleine Insellösung müsste doch möglich sein.

Bildmaterial aus dem Video

Einteilung Lernplattformen

Einteilung Lernplattformen

Vorteile der Lernplattformen der Bundesländer

Vorteile der Lernplattformen der Bundesländer

Lernplattformen: Unterschiedliche Strategien der Bundesländer

Lernplattformen: Unterschiedliche Strategien der Bundesländer

Die Komponenten von Logineo NRW

Die Komponenten von Logineo NRW

Vor- und Nachteile von Logineo NRW

Vor- und Nachteile von Logineo NRW

Nextcloud als Lernplattform

Nextcloud als Lernplattform

Zusatzmaterial

Diskussionspapier: Digitale Souveränität in der Schule ist machbar! Alternativen zu Microsoft in der Schule