Dr. Hein Zopes gestaltet Material für schulinterne Lehrerfortbildungen mit den Themenschwerpunkten “Pädagogische Herausforderungen” und “Digitale Souveränität”.

Dieses Material darf entsprechend der CC BY 4.0 Lizenz von jedem heruntergeladen, genutzt, vervielfältigt und verändert werden darf. Gerne können Lehrerinnen und Lehrer es für ihren Unterricht verwenden. Auch für SchiLF-Angebote ist es geeignet. Alle enthaltenen Informationen wurden gewissenhaft recherchiert. Die Materialien werden regelmäßig ergänzt.

Eckdaten des Videos

StichworteIntervention
Kommunikation
Krise
Krisenintervention
Schulpsychologie
Suizid
Suizid-Ankündigung
Suizidgedanken
Suizidgefährdung
externe Hilfen
interne Hilfen
psychologische Hilfe
InhaltSuizidgedanken bei Jugendlichen sind nicht selten. Mehr als die Hälfte hat zumindest gelegentlich suizidale Gedanken. Jeden Tag stirbt in Deutschland mindestens ein Kind oder ein Jugendlicher durch einen Suizid. Die Zahl der Suizidversuche ist deutlich höher. Suizid-Ankündigungen müssen immer Ernst genommen werden. Sie sind nicht selten und kommen oft zu den ungünstigsten Zeitpunkten, deshalb müssen Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen und Schulen hierauf vorbereitet sein. Dr. Hein Zopes erläutert in diesem Video, wie innerhalb des schulischen Systems auf eine Suizid-Ankündigung angemessen reagiert werden kann. Die Bedeutung von professioneller Unterstützung und Fortbildung wird erklärt.
ZielgruppeSchulleitungen
Lehrerinnen und Lehrer
Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter
Dauer9:35

Transkript des Videos

Suizidgedanken bei Jugendlichen sind nicht selten. Mehr als die Hälfte hat zumindest gelegentlich suizidale Gedanken. Jeden Tag stirbt in Deutschland mindestens ein Kind oder ein Jugendlicher durch ein Suizid. Die Zahl der Suizidversuche ist noch deutlich höher.

Faktoren, die eine Suizidalität begünstigen, sind vielfältig: Familiäre Probleme, Probleme im Bereich der Rollen und Geschlechtsidentität, Schulversagen, Mobbing und soziale Ausgrenzung. All das kann eine Rolle spielen.

Suizide sind dabei nur selten spontane Aktionen. Belastungsfaktoren können begünstigen, dass eine Erwägungsphase eintritt, in der ein Mensch über Suizid nachzudenken beginnt. Es folgt eine Ambivalenzphase. Das für und wieder eines Suizids wird abgewogen. Es ist sehr gut möglich, dass es in dieser Phase zum Äußern von Suizidgedanken kommt. Am Ende der Entwicklung steht die Entschlussphase, in der die Resignation dominiert und eine dramatische innere Not empfunden wird. In dieser Phase können unter Umständen Vorbereitungs- und Abschiedshandlungen beobachtet werden.

Suizidankündigungen müssen immer ernst genommen werden. Sie sind nicht selten und sie kommen oft zu den ungünstigsten Zeitpunkten. Deshalb müssen Lehrerinnen und Lehrer Schulleitungen und Schulen hier auch vorbereitet sein. Fortbildungen können hier eine sehr, sehr große Hilfe sein.

Im Rahmen der Vorbereitung auf Suizidankündigung ist es relevant, externe Kooperationspartner in den Blick zu nehmen, die im Kontext der Suizidalität Expertenhilfe zur Verfügung stellen können. Eine große Rolle können hier die schulpsychologischen Beratungsstellen und möglicherweise die Stellen für Krisenhilfe bei Suizidalität, therapeutische Einrichtungen, Kliniken und jugendpsychiatrische Ambulanzen spielen. Es ist deshalb sehr sinnvoll zu diesen Einrichtungen eine gute und vertrauensvolle Kommunikation bereits im Vorfeld aufzubauen und die entsprechenden Kontaktdaten immer zur Verfügung zu haben.

Bei einem Suizidhinweis ist die schwierig zu beantwortende Frage entscheidend, wie akut und konkret die Suizidgefährdung ist. Ernst zu nehmen ist der Hinweis auf jeden Fall und es muss so schnell wie möglich das Gespräch mit dem möglicherweise suizidgefährdeten Schüler oder der suizidgefährdeten Schülerin gesucht werden.

Hierbei ist es sehr hilfreich, wenn die Gesprächsführende Kraft sich im Vorfeld mit dem Thema Suizid beschäftigt und durch entsprechende Fortbildungen professionalisiert hat. Die folgenden Hinweise können dementsprechend nur Ansatzpunkte liefern.

Die Hinweise auf einen Suizidgedanken müssen unbedingt ernst genommen werden. Es könnte sich um den letzten Versuch handeln, mit einem Mitmenschen zu reden. Vielleicht ist es der absolut letzte Hilferuf.

Das Gespräch muss durch aktives Zuhören gekennzeichnet sein. Die oder der Gesprächsführende sollte wiederholen, was er verstanden hat. „Du denkst also, dass niemand dich mag.“ Der Gesprächsführende oder die Gesprächsführende sollte authentisch die Angst um die gefährdete Schülerin oder den gefährdeten Schüler zeigen, aber nicht Angst vor den Worten oder den Vorhaben der Schülerin oder des Schülers signalisieren. Die Gesprächsführende oder der Gesprächsführende sollten direkt und offen nach Absichten und konkreten Planungen fragen. „Ich habe den Eindruck, dass es dir momentan wirklich schlecht geht und dass du vielleicht darüber nachdenkst, dir das Leben zu nehmen. Kannst du erzählen, wie du dich umbringen willst?“ Die Gesprächsführende oder der Gesprächsführende sollte versuchen, zumindestens die Ambivalenzphase zu erhalten und anfragen, was gegen ein Suizid spricht und welche Alternativen es zum Suizid gibt, ob Zukunftsfantasien entwickelbar sein könnten. Manchmal ist es den Schülerinnen und Schülern wichtig, Geschwister oder Haustiere nicht im Stich zu lassen. Der Gesprächsführende oder die Gesprächsführende sollten das Thema Bezugsperson ansprechen oder sich auch als Bezugsperson anbieten, aber in dieser Situation nur das versprechen, was auch gehalten werden kann. Wenn man nicht immer da sein kann, dann darf man auch nicht versprechen, dass man immer da ist. Gegen Ende des Gesprächs könnte die Frage sinnvoll sein. Kannst du mir sagen, was dir gut tun würde? Ein Termin für ein Folgegespräch sollte vereinbart werden, so konkret wie möglich.

Es gibt mehrere Punkte, die man als gesprächsführende Person vermeiden sollte. Man sollte auf keinen Fall eine passive Haltung nach dem Motto, wer über Selbstmord spricht, der tut sich schon nichts an einnehmen. Man sollte sich auf keinen Fall eine Geheimhaltung aufdrängen lassen. Eine gute Formulierung wäre z.B. Ich verspreche dir, dass ich hier nichts veranlassen werde, ohne es vorher mit dir zu besprechen. Ich kann dir aber nicht versprechen, niemandem von unserem Gespräch zu erzählen, wenn ich den Eindruck habe, dass wir nach weiterer Hilfe suchen müssen.

Die Gesprächsführende oder der Gesprächsführende sollten ruhig und nicht moralisierend und ohne schnelle Ratschläge auftreten und nicht das richtig oder falsch diskutieren.

Am Ende des Gesprächs sollte die möglicherweise suizidgefährdete Person auf keinen Fall alleinelassen werden. Sollte der Gesprächseindruck sein, dass eine akute Gefährdung vorliegt, muss sofort eine professionelle Hilfe eingeleitet werden. Vielleicht gibt es bereits eine Therapeutin oder einen Therapeuten, die man sofort kontaktieren kann. Unter Umständen bleibt aber auch nur die Möglichkeit, einen Notarzt zu rufen. Ist eine konkrete Gefährdung nicht erkennbar, ist es trotzdem sehr hilfreich, die Schülerin oder den Schüler nicht alleine gehen zu lassen, sondern eine Begleitung durch eine Bezugsperson zu sichern.

Im nächsten Schritt gilt es eine Expertenhilfe zu aktivieren. Hierbei kann es sich um eine ausgebildete Fach oder Lehrkraft von der Schule oder um eine externe Expertin oder einen externen Exerten handeln, z.B. von der Schulpsychologischen Beratungsstelle.

Dieser Schritt ist doppelt wirksam. Für die gesprächsführende Kraft ist es wichtig abzuklären, ob aus professioneller Sicht das Gespräch zielführend war oder ob ein Nachsteuern erforderlich ist. Dies entlastet die gesprächsführende Person, denn die alleinige Verantwortung in dieser Situation ist nicht unbedingt leicht auszuhalten.

Die zweite Ebene ist, dass mit den Expertinnen und Experten zielführende Hilfen für die suizidgefährdete Schülerin oder den suizidgefährdeten Schüler überlegt und nach Möglichkeit eingeleitet werden können.

Es kann z.B. auch überlegt werden, wie schulische Belastungssituationen vielleicht entschärft werden können oder wie man erreichen könnte, dass außerschulische Belastungssituation reduziert werden.

Auch die Einbildung der Schulleitung ist zu beachten. Diese muss entscheiden, ob Schulaufsicht oder Schulträger zu informieren sind.

Es ist ganz klar, ein solches kurzes Video kann nur einige Facetten anreißen. Um auf eine Suizidankündigung angemessen reagieren zu können, ist die Qualifizierung der handelnden schulischen Kräfte fundamental. Wenn z.B. familiäre Hintergründe bei der Suizidalität wirksam sind, kann das Zusammenwirken von Schule und Familie sehr erschwert sein und ganz andere Ebenen wie z.B. das Jugendamt können eine große Rolle spielen.

Entsprechend der Komplexität bekommt die Fortbildung noch einmal einen ganz anderen Stellenwert. Um handlungsfähig zu sein, ist eine Professionalisierung durch regelmäßige Fortbildung auch zu diesem Thema sehr sehr zielführend.

Bildmaterial aus dem Video

Phasen bis zur Suizid-Entscheidung

Phasen bis zur Suizid-Entscheidung

Gesprächsführung bei einer Suizid-Ankündigung I

Gesprächsführung bei einer Suizid-Ankündigung II

Gesprächsführung bei einer Suizid-Ankündigung II

Suizid-Ankündigung – Expertenaktivierung

Suizid-Ankündigung - Expertenaktivierung

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