
Mobbing – richtig reagieren: Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind in der Schule gemobbt wird
Dr. Hein Zopes gestaltet Material für schulinterne Lehrerfortbildungen mit den Themenschwerpunkten “Pädagogische Herausforderungen” und “Digitale Souveränität”.
Dieses Material darf entsprechend der CC BY 4.0 Lizenz von jedem heruntergeladen, genutzt, vervielfältigt und verändert werden darf. Gerne können Lehrerinnen und Lehrer es für ihren Unterricht verwenden. Auch für SchiLF-Angebote ist es geeignet. Alle enthaltenen Informationen wurden gewissenhaft recherchiert. Die Materialien werden regelmäßig ergänzt.
Eckdaten des Videos
| Stichworte | Beratungslehrer Erziehungsberechtigte Klassenleitung Mobbing Mobbing-Intervention |
| Inhalt | Im Zentrum des Videos stehen sinnvolle Vorgehensweisen, wenn Eltern über das Mobbing des Kindes in der Schule erfahren. Zielführend ist die Aktivierung der schulischen Mobbing-Interventionssysteme. Wesentliche Ansprechpartner werden in den Blick genommen. |
| Zielgruppe | Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Eltern, Erziehungsberechtigte |
| Dauer | 7:04 |
Transkript des Videos
In diesem Video geht es um das Thema Mobbing. Mobbing in der Schule und speziell um die Frage, was können Eltern tun, wenn sie merken, dass ihr Kind in der Schule gemobbt wird?
Mobbing hat schwerwiegende negative Auswirkungen. Das Selbstvertrauen des Mobbingopfers, das Selbstwertgefühl, das Gefühl der Selbstwirksamkeit und die Fähigkeit, selbstbestimmt zu handeln, werden geschwächt. Andererseits entwickeln Mobbingopfer oft ein Schamgefühl und den Eindruck der Handlungsunfähigkeit.
Oft hemmt diese Gefühlslage Mobbingopfer, Hilfe zu erfragen. Die Scham und auch die Angst, dass sich die Lage noch verschlimmern könnte, halten sie zurück. Wenn sich Mobbing Opfer nun aber an Vertrauenspersonen wie Eltern, Lehrerin oder Lehrer, Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter wenden, ist dies ein entscheidender Schritt für das Beenden des Mobbings.
Wenn jetzt aber Eltern erfahren, dass ihr Kind gemobbt wird, ist dies eine sehr verstörende Nachricht. Auf der einen Seite ist sofort die berechtigte Sorge um das Wohl des eigenen Kindes aktiviert. Auch ist es sehr, sehr naheliegend, dass sich schnell negative Emotionen gegenüber den Täterinnen und Tätern entwickeln. Im Zeitalter der sozialen Medien, in denen auch die Eltern der Klasse gemeinsame Chatgruppen haben, kann ein schneller Kommunikationsprozess losgetreten werden, der aber nicht unbedingt zielführend sein muss.
Was aber sollen Eltern nun in dieser Situation tun? Zunächst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man als Eltern nun selber in einer emotionalen Ausnahmesituation ist. Trotz dieser emotionalen Ausnahmesituation gilt es, Ruhe zu bewahren, reflektiert und nicht zu emotional zu handeln.
Ganz wichtig ist es, dass nun anstehende Vorgehen umfassend, wirklich umfassend und empathisch mit dem eigenen Kind zu besprechen. Als Mobbingopfer ist es sehr verunsichert. Es hat wahrscheinlich die Angst, dass jede Handlung die Mobbing Situation verschärfen könnte. Dementsprechend ist es ganz wichtig, dass es nun die Erfahrung macht, dass es wieder Einfluss hat, dass seine Meinung relevant ist und dass es nun nicht fremd gesteuert wird.
Das Mobbing wird nicht von selbst aufhören. Dementsprechend müssen nun zielführende Interventionsmaßnahmen in Absprache und mit dem Einverständnis des eigenen Kindes eingeleitet werden. Wie könnten diese aussehen? Mobbingprozesse und Mobbingsysteme sind komplex. Häufig ist das Opfer mit mehreren Mobberinnen und Mobbern konfrontiert. Diese sind unterschiedliche Individuen mit unterschiedlichen Motiven. Es kann um das Ausleben von Machtgefühlen oder um die Verarbeitung eigener Mobbingerfahrungen gehen. Eine gruppendynamische Komponente kann wesentlich sein. Diese kann Mitläuferin und Mitläufer aktivieren, die sich phasenweise am Mobbing beteiligen. Verstärkerin und Verstärker, die die Mobberinnen und Mobber motivieren, ohne selber aktiv zu mobben, können Teil des Systems sein. Auch gibt es die Gruppe der Zuschauenden, die für das System eine wirklich wichtige Rolle spielen. Als Publikum mobben sie selber nicht, sie intervenieren aber auch nicht. Ein problematischer Ehrenkodex verhindert, dass sie sich an Erwachsene wenden.
Wer kann nun auf so ein komplexes Systeme Einfluss nehmen? Eine zentrale Rolle kann die Klassenleitung übernehmen. Diese ist der wahrscheinlich effizienteste Ansprechpartner. Opfer und Eltern finden hier eine professionelle Hilfe. Die Klassenleitung hat im System Schule Unterstützungsstrukturen. Besonders günstig ist es, wenn es an der Schule ein MIP-Team, das ist eine Mobbing-Interventions- und Präventionsteam, gibt. Dies sind Lehrerinnen und Lehrer, die im Kontext der Mobbing Prävention und Intervention durch Fortbildungen besonders professionalisiert sind und sehr wirksame Interventionsansätze zielführend aktivieren und umsetzen können.
Daneben gibt es weitere Unterstützungsstrukturen, die je nach Interventionsansatz genutzt werden können. Hierzu gehören z.B. die Schulsozialarbeit, das Team der Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer, die Schulpsychologie oder auch die Schulleitung.
Die allermeisten Schulen verfügen über Mobbing-Interventionsansätze und Mitarbeitende, die in diesem Handlungsfeld durch intensive Fortbildung in die Lage versetzt sind, diese Ansätze wirklich professionell umsetzen zu können. Es gibt eine ganze Reihe von wirksamen Interventionsmaßnahmen. Hierzu gehört z.B. der Noblame Approach Ansatz, die Fasta-Methode oder auch mehrstufige Konzepte. Wenn diese von gut fortgebildeten, professionell agierenden Mitarbeitenden eingesetzt werden, ist die Wahrscheinlichkeit wirklich sehr, sehr sehr hoch, dass das Mobbing effektiv beendet werden kann.
Wenn nun Opfer oder Eltern kein Zutrauen zur Klassenleitung haben oder die Beziehung zwischen Klassenleitung und Kind oder zwischen Klassenleitung und Eltern belastet ist, wäre es eine Alternative, sich an das Team der Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer oder an das MIP-Team oder an die Schulsozialarbeit zu wenden. Wenn hier durch keine Interventionsmaßnahme angestoßen werden kann, wäre die Einbindung der Schulleitung der nächste Schritt.
Vielen Dank für das Schauen dieses Videos.
Bildmaterial aus dem Video
Mobbing: Wirkung auf das Opfer

Mobbing: Interventionskonzepte

Mobbing-System

Mobbing-Interventionssystem

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