
Schulabsentismus früh erkennen
Dr. Hein Zopes gestaltet Material für schulinterne Lehrerfortbildungen mit den Themenschwerpunkten “Pädagogische Herausforderungen” und “Digitale Souveränität”.
Dieses Material darf entsprechend der CC BY 4.0 Lizenz von jedem heruntergeladen, genutzt, vervielfältigt und verändert werden darf. Gerne können Lehrerinnen und Lehrer es für ihren Unterricht verwenden. Auch für SchiLF-Angebote ist es geeignet. Alle enthaltenen Informationen wurden gewissenhaft recherchiert. Die Materialien werden regelmäßig ergänzt.
Eckdaten des Videos
| Stichworte | Schulabsentismus Monitoring Absentismus-Erfassung |
| Inhalt | Aus der letzten PISA-Studie PISA 2022 lässt sich ableiten, dass sich das Absentismusverhalten von Schülerinnen und Schülern in der Zeit von 2012 bis 2022 verstärkt hat. Etwa 5 % unserer Schülerinnen und Schüler zeigen einen kritischen Schulabsentismus, der für die Lebensperspektiven der betroffenen Schülerinnen und Schüler gravierende negative Auswirkungen hat. Das gründliche Erfassen von Fehlzeiten und das zügige Auswerten von Fehlzeitendaten ist ein entscheidender einleitender Schritt für notwendige Interventionsmaßnahmen, wenn schulabsentes Verhalten auftritt. |
| Zielgruppe | Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiter, Erziehungsberechtigte |
| Dauer | 6:03 |
Transkript des Videos
Aus der letzten PISA-Studie, PISA 2022, lässt dich ableiten, dass sich das Absentismusverhalten von Schülerinnen und Schülern in der Zeit von 2012 bis 2022 verstärkt hat. Und dies ist nicht nur auf Corona zurückzuführen, denn die Verstärkung begann schon deutlich vor der Pandemie.
Etwa 5% unserer Schülerinnen und Schüler zeigen ein kritisches Schulabsentismusverhalten, das für die Lebensperspektiven der betroffenen Schülerinnen und Schüler gravierende negative Auswirkungen hat. Schulabschlüsse werden nicht erreicht. Der Weg in das Berufsleben gelingt oft nicht. Es gibt eine große Gefährdung in die Drogenabhängigkeit und in die Kriminalität abzugleiten.
Schulabsentismus kann unterschiedliche Formen und Muster annehmen. Es kann sich um aversives Schulschwänzen, um eine angstinduzierte Schulverweigerung oder um ein Zurückhalten von erziehungsberechtigten Handeln. Unterschiedlichste Mischformen sind auch möglich.
Die Entstehung des Absentismus ist oft multikausal zu erklären und jeder Einzelfall ist gesondert zu betrachten. Individuelle Merkmale der Schülerin oder des Schülers können zu einer unterrichtsinhaltlichen oder sozialen Entkopplung beitragen. Die familiären Erziehungs- und Lebensbedingungen, die schulen Lernbedingungen und auch die Einflüsse Gleichaltriger können eine Rolle spielen.
Dabei ist Schulabsentismus kein plötzlich auftretendes Phänomen, sondern er entwickelt sich. Hierbei kommt es häufig zu einer sich schnell aufbauenden schwierigen Situation, die zu einer Verstärkung des Schulabsentismus führt. Dann kann das Fehlen ein Leistungsversagen verstärken, das zu einer zunehmenden Demotivation und Resignation führt, die eine Rückkehr zu einem ordnungsgemäßen Schulbesuch immer stärker erschwert.
Um einen Eintritt in einen solchen Teufelskreis zu verhindern, muss das erste Auftreten von schulabsenten Verhaltensweisen in der Schule erkannt werden. Das klingt nach einer Binsenweisheit und man könnte die Auffassung haben, dass das Feststellen von absenten Schülerinnen und Schülern eine ganz einfache Aufgabe ist.
Schon 2013 gab es die von der Europäischen Union geförderte WE-STAY-Untersuchung. Hier wurden unter anderem Schülerinnen und Schüler zu ihrem Fehlverhalten befragt und dies wurde dann mit den Fehlzeiten, die in den Klassenbüchern dokumentiert wurden, verglichen. Es gab eine erstaunlich hohe Diskrepanz. Die Fehlzeiten waren aus Schülersicht wesentlich wesentlich größer, als sie in den Klassenbüchern dokumentiert wurden. Das galt sowohl für unentschuldigte als auch für entschuldigte Fehltage. Eine mögliche Ursache könnte eine mangelnde Erfassung der Fehlzeiten durch die Lehrkräfte sein.
Das gründliche Erfassen von Fehlzeiten und das zügige Auswerten von Fehlzeitendaten ist nun aber ein entscheidender einleitender Schritt für notwendige Interventionsmaßnahmen, wenn schulabsentes Verhalten auftritt. In diesem Kontext bietet die fortschreitende schulische Digitalisierung ein großes Potenzial. Die meisten Schulen arbeiten mit digitalen Lösungen für die Stunden- und Vertretungsplanerstellung. Diese Programme haben mit ihren Webschnittstellen die Möglichkeiten, Fehlzeiten von Schülerinnen und Schülern zu erfassen und die Erziehungsberechtigten über das Fehlen zu informieren. Die Erziehungsberechtigten haben die Möglichkeit, Fehlzeiten zu entschuldigen oder über das Fehlen niederschwellig zu kommunizieren. Diese Programme unterstützen auch eine Auswertung der Fehlzeitendaten. Wenn die Lehrkräfte die Fehlzeiten hier gewissenhaft eintragen, sind die zentralen Daten vorhanden, die für eine pädagogische Analyse des Fehlverhaltens sehr sehr unterstützend sind und die für pädagogische Konferenzen und Beratungsgespräche mit Schülerinnen und Schülern und Eltern genutzt werden können.
Es ist immer sehr ungünstig, wenn Schülerinnen und Schüler den Eindruck haben, dass ihr Fehlen in der Schule toleriert wird oder dass sie nicht vermisst werden, dass ihr Fehlen gar nicht bemerkt wird. Viel besser ist, wenn Schülerinnen und Schüler beim ersten Fehlen die Rückmeldung erhalten, du fehlst, wir vermissen dich, du gehörst zu uns, du gehörst hierhin. Das konsequente Führen von Listen ist nicht immer mit großer Freude verbunden. Aber gerade bei der Überwindung von Schulabsentismus ist es wichtig und es ist sehr hilfreich. Man muss sich einmal bewusst machen, wie gefährlich der Absentismus ist und dann ergibt sich, glaube ich, die notwendige Motivation, um die Listen gewissenhaft zu führen. In diesem Sinne, vielen, vielen Dank für das Schauen dieses Videos.
Bildmaterial aus dem Video
Entwicklung Schulabsentismus seit 2012

Formen des Schulabsentismus

Prozess der Absentismus-Entstehung

Daten der WE-STAY Untersuchung

Monitoring Schulabsentismus

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