Dr. Hein Zopes gestaltet Material für schulinterne Lehrerfortbildungen mit den Themenschwerpunkten “Pädagogische Herausforderungen” und “Digitale Souveränität”.

Dieses Material darf entsprechend der CC BY 4.0 Lizenz von jedem heruntergeladen, genutzt, vervielfältigt und verändert werden darf. Gerne können Lehrerinnen und Lehrer es für ihren Unterricht verwenden. Auch für SchiLF-Angebote ist es geeignet. Alle enthaltenen Informationen wurden gewissenhaft recherchiert. Die Materialien werden regelmäßig ergänzt.

Eckdaten des Videos

StichworteDeutsches Zentrum für Suchtfragen
Handlungsempfehlungen
Leopoldina
Mediennutzung
Social Media
Social-Media-Sucht
Soziale Netzwerke
Studienlage
Sucht
Suchtverhalten
InhaltGegenwärtig erleben wir eine globale Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen. Eine wichtige Rolle hierbei spielt die Sucht nach Social Media. In diesem Video stellt Dr. Hein Zopes wesentliche Ergebnisse der Mediensucht-Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters vor. Auch die Handlungsempfehlungen der Leopoldina zur Sicherung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen werden erläutert.
ZielgruppeSchulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter
Dauer7:17
Verlinkunglibrepro

Transkript des Videos

Gegenwärtig erleben wir eine globale Krise, eine globale Krise der psychischen Gesundheit junger Menschen. Das ist ein Zitat aus dem Diskussionspapier der Leopoldina mit dem „Titel Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“.

Die Leopoldina ist die nationale Akademie der Wissenschaften und die Autorinnen und Autorin des Beitrags sind führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Das Internet wurde in den letzten Jahren weitgehend kommerzialisiert. Einige Unternehmen haben eine monopolartige Stellung erreicht und kontrollieren wesentliche Bereiche des Netzes und damit auch die Benutzer. Das Ziel – und das kann man natürlich gut nachvollziehen – dieser Unternehmen ist die Gewinnmaximierung.

Die Benutzer ermöglichen Gewinne, da sie als Datenquelle und als Werbepublikum genutzt und als Konsumenten beeinflusst werden können. Für die Gewinnerzielung müssen die Benutzer natürlich so lange wie möglich auf den Seiten der Unternehmen gebunden werden. Hierzu nutzen die Unternehmen Algorithmen, die das Nutzungsverhalten beeinflussen können.

Besonders für Jugendliche geht aber von diesen Algorithmen eine große Suchtgefahr aus. Die problematische Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen wurde zuletzt in einer Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes und Jugendalters im September 2023 untersucht.

Was schätzen Sie? Wie viele Prozent unserer 10- bis 17-Jährigen zeigen wohl schon problematische Nutzungsmuster von Social Media und sind vielleicht schon gefährdet, durch die Nutzung von Social Media wirklich ernsthafte Probleme zu entwickeln. Na, vielleicht 5%, 10%, 20%. Die Studie sagt, es sind 24,5% der 10- bis 17-Jährigen und das entspricht in Deutschland 1,3 Millionen Jugendlichen. 6,1% der 10- bis 17-Jährigen nutzen Social Media schon jetzt in einer schädlichen, exzessiven und kontrollverlust behafteten Art und Weise und sie leiden schon unter negativen Auswirkungen für ihr Leben und für ihre Gesundheit. Das sind immerhin 360.000 Kinder Jugendliche in Deutschland.

Die Folgen für die psychische Gesundheit der Betroffenen Kinder und Jugendlichen sind gravierend. Es treten depressive Symptome auf. Es gibt ein starkes Stressempfinden, das mit einer fehlenden Stressbewältigung kombiniert ist. Es gibt eine defizitäre Emotionsregulation. Ein Kontrollverlust wird erlebt und Angstsymptome treten auf.

Es wäre natürlich von zentraler Bedeutung, den Einsatz von der Sucht generierenden Algorithmen zu verhindern. Dazu müssten aber alle erlaubten Plattformen ihren Quellcode offenlegen, damit man nachschauen könnte, wie genau die Algorithmen funktionieren. Es gibt zwar Vorgaben, dass die Plattformen einige Prinzipien ihrer Algorithmen veröffentlichen müssen. Das geschieht aber nur sehr schleppend und nicht wirklich überzeugend. Das Ziel zu erreichen, dass alle erlaubten Plattformen, Open-Source-Plattformen sind, wird aber in Europa sehr, sehr schwer umsetzbar sein.

Ein anderer Ansatz wäre, den Zugang von unter 16-Jährigen zu Social Media zu verhindern. Das ist das „Modell Australien“. Hier werden den Social-Media-Plattformen wirklich deutliche Auflagen auferlegt und es gibt harte spürbare Strafen, wenn unter 16-Jährige auf den Social Media Plattformen unterwegs sein können. Es geht hier um Millionenbeträge. 31 Millionen Euro werden fällig, wenn eine Plattform hier nicht ihren Aufgaben entsprechend reagiert und unter 16-Jährige ausschließt.

Zumindest der Zugang zu Social Media für unter 16-Jährige in der Schule sollte verhindert werden. Wenn das nicht auf Landesebene klar geregelt ist, dann sollten Schulen entsprechende Nutzungsordnung in den Schulkonferenzen anpassen und so gestalten, dass unter 16-jährige keine Smartphones auf dem Schulgelände verwenden.

Die Leopoldina hat einige Vorgaben überlegt. Social Media sollte für unter 13-Jährige generell verboten sein. Eine Social Media Nutzung für 13 bis 15-Jährige sollte nur mit elterlicher Begleitung möglich sein. Die Social Media Nutzung für die 13- bis 17-Jährigen sollte nur mit altersgemäßen Einschränkungen möglich sein. Das bedeutet, dass bei der Social-Media-Nutzung für 13- bis 17-Jährige keine individuellen Nutzungsprofile erstellt werden dürfen und es keine personalisierte Werbung gibt. Bei den unter 16-jährigen müsste die Autoplay Funktion, die immer wieder neue Inhalte unaufgefordert anbietet, ausgeschaltet sein. Es sollte auch keine Möglichkeit des Endlosscrollen geben.

Es muss uns ganz klar sein, die von Social Media ausgehende Suchtgefahr für Kinder und Jugendliche ist ein wirklich gravierendes Problem. Und wir sind als Gesellschaft gefordert, uns diesem Problem zu stellen und schnell und zügig Lösungsansätze zu finden. Es darf nicht sein, dass weiterhin Kinder und Jugendliche Opfer einer „laissez-faire“ Social-Media-Kultur sind. Wir müssen hier so schnell wie möglich auf die Handlungsebene kommen und funktionale Lösungsstrategien entwickeln, die sicherstellen, dass die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen nicht weiter gefährdet wird. Deshalb wäre es fundamental wichtig, Vorschläge, wie sie z.B. die Leopoldina unterbreitet, so schnell wie möglich in den Blick zu nehmen und umzusetzen, damit ein wirklicher Schutz der Kinder und Jugendlichen erfolgt.

Bildmaterial aus dem Video

Studienergebnisse des Deutschen Zentrums für Suchtfragen I

Studienergebnisse des Deutschen Zentrums für Suchtfragen I

Studienergebnisse des Deutschen Zentrums für Suchtfragen II

Studienergebnisse des Deutschen Zentrums für Suchtfragen III

Studienergebnisse des Deutschen Zentrums für Suchtfragen III

Handlungsoptionen gegen die Social-Media-Sucht

Handlungsoptionen gegen die Social-Media-Sucht

Handlungsvorschläge der Leopoldina gegen Social-Media-Sucht I

Handlungsvorschläge der Leopoldina gegen Social-Media-Sucht I

Handlungsvorschläge der Leopoldina gegen Social-Media-Sucht II


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