Dr. Hein Zopes

Von Estland lernen- Prüfungswahn überwinden

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StichworteSchulentwicklung
Estland
PISA-Ergebnisse
Prüfungswahn
InhaltSchulen in Estland gehören zu den erfolgreichsten Bildungseinrichtungen in Europa. Es gibt keine regelmäßigen Klassenarbeiten. Die Lehrkräfte entscheiden autonom über Prüfungsformate, die den Lernprozess unterstützen sollen. Ein ständiges Feedback unterstützt den Lernprozess. Das bedeutet es gibt weniger Stress und eine bessere Integration auch schwächerer Schülerinnen und Schüler. So erreichen die Schülerinnen und Schüler in Estland trotz weniger Unterrichtsstunden bessere Ergebnisse in den internationalen Vergleichsstudien.
ZielgruppeSchulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Erziehungsberechtigte, Schülerinnen und Schüler
Dauer4:44

Lehrkräfte sind und werden immer mehr gefordert, Schülerinnen und Schüler in pädagogisch herausfordernden Situation zu unterstützen. Unser Schulsystem kommt hierbei sehr stark an seine Grenzen. Die Ergebnisse internationaler Studien zum Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler sind alarmierend. Lehrerinnen und Lehrer brauchen dringend Kapazitäten, um sich um ihre Schülerinnen und Schüler professionell und zielführend kümmern zu können. Deshalb ist es wirklich fatal, dass wir Lehrerinnen und Lehrer viel zu wenig die Möglichkeit geben, ihre Kompetenzen im Sinne der Schülerinnen und Schüler zu aktivieren. Seit Jahrzehnten zwingen wir unsere Schülerinnen und Schüler und unsere Lehrkräfte in ein fatales Prüfungssystem. Viele Lehrkräfte werden ständig an die Schreibtische gezwungen, um Stapel an Klassenarbeiten und Klausuren zu korrigieren. Wie soll jetzt aber eine Lehrerin oder eine Lehrkraft, die jedes Wochenende korrigiert, Kraft und Zeit haben, als Klassenleitung Schülerinnen und Schüler in krisenhaften Situation zu unterstützen? Der Wert der durch die häufigen und sehr langen Prüfungen gewonnen Erkenntnisse ist doch eher zweifelhaft. Und die angewendeten und eingeübten Prüfungsformate finden sich im späteren Leben praktisch kaum oder gar nicht mehr.

Schulen in Estland gehören zu den erfolgreichsten Bildungseinrichtungen in Europa. Es gibt gar keine regelmäßigen Klassenarbeiten. Dort die Lehrkräfte entscheiden autonom über Prüfungsformate, die den Lernprozess unterstützen sollen. Ein ständiges Feedback unterstützt dabei den Lernprozess der Schülerin und Schüler bei das bedeutet, es gibt viel weniger Stress und eine bessere Integration auch schwächer Schülerinnen und Schüler. So erreichen die Schülerinnen und Schüler in Estland trotz weniger Unterrichtsstunden bessere Ergebnisse in den internationalen Vergleichsstudien. So entspricht die Differenz von 35 Punkten hier im Fach Mathematik einem Kompetenzzuwachs von anderthalb Lernjahren, die estländische Schülerinnen und Schüler die Nase vorne haben gegenüber unseren deutschen Schülerinnen und Schülern.

Zwar reformieren die verschiedenen Bundesländer regelmäßig ihre Schulsysteme. Dabei bleibt aber die Fixierung auf ein ressourcenhungriges und nicht zielführendes Prüfungssystem, sodass die Negativentwicklung in den letzten Jahren nicht gestoppt wurde. Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulen sollten sich viel deutlicher gegenüber den politischen Ebenen positionieren. Wenn unsere Schulen besser werden sollen, müssen wir endlich unseren Lehrkräften die Möglichkeit geben, dort ihre Kräfte einzusetzen, wo sie auch wirklich unseren Schülerinnen und Schülern nutzen.

Estland hat schon lange erkannt, dass man kompetenten Lehrerinnen und Lehrern deutlich mehr Autonomie gewähren muss, damit sie die für ihre Schülerinnen und Schüler geeigneten Methoden einsetzen können. Seit seiner Unabhängigkeit 1991 demonstriert Estland, wie Schule ohne Prüfungswarn ressourceneffizient gelingt und praktisch alle Schülerinnen und Schüler mitnimmt. Das ist in unserem deutschen Schulsystem ja leider nicht der Fall. 20% bis 25% unserer Schülerinnen und Schüler erreichen nicht die Kompetenzen, die für ein erfolgreiches Leben doch so wertvoll wären. Wenn unsere deutschen Schulen die Chance haben sollen, unsere Schülerinnen und Schüler angemessen für ihren Lebensweg zu unterstützen, dann ist es an der Zeit, unsere Ressourcen umzusteuern. Eine Veränderung unserer Prüfungskultur ist hier ein eine wesentliche Weichenstellung. Weniger und kürzere Klassenarbeiten und Klausuren wären ein erster Teilschritt auf dem Weg zu einer deutlich erfolgreicheren Bildungskultur.

Pisa 2022: Vergleich Deutschland vs Estland

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